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Montag, 3. Januar 2011

Boot-iih call

Das neue Jahr ist angebrochen und einer der guten Vorsätze für 2011 war es, meinen geneigten Lesern wieder regelmäßig eine Lektüre zu bieten. Der schlechte Geschmack hat keine Weihnachtsferien eingelegt, was mir gerade in den jüngsten Tagen wieder schmerzlich bewusst geworden ist - und eine Mode-Untat hat sich dank des kalten Wetters so explosionsartig ausgebreitet, dass sie dringend der unbarmherzigen Verfolgung bedarf: Ugg Boots bei Männern.

Sollte einer meiner Leser wider Erwarten nicht wissen, was ein Ugg Boot ist: es handelt sich um die äußerst unansehnlichen, meist fäkalfarbenen Auswüchse an den Füßen "trendbewusster" Mädchen und Frauen, deren Form irgendwo zwischen übergroßen Tier-Hausschuhen und einem Lipödem (vulgo Fettstau) an den Knöcheln einzuordnen ist.

Die obigen Zeilen dürften erahnen lassen, dass ich diesen "Schuhen" bereits bei weiblichen Trägern nicht unbedingt positiv gegenüber stehe. Allerdings sind sie als gemütlich verschrien (Exkurs: das sagt man auch Crocs nach) und daher bei Frauen mittlerweile nicht mehr aufzuhalten. Doch als ich mit L. vor kurzem den Weihnachtsmarkt besuchte, traf es mich unvorbereitet heftig: der Virus hat auch auf die männliche Hälfte der Bevölkerung übergegriffen.

Er (Typ "Hamburger Rechtsanwalt auf Sylturlaub": Barbour-Steppjacke, dunkelrote Cordhose, Goldbrille, wenig Haare) stapfte mit seiner pelzbehängten Gattin an den Glühweinständen vorbei. Seine Füße steckten dabei in beigen Ugg Boots, in welche er zu allem Überfluss auch noch die Hosenbeine gestopft hatte. Der Mann wirkte noch nicht so betagt, dass man diesen Fauxpas auf Altersdemenz hätte schieben können; die Möglichkeit, er hätte versehentlich in den Schuhschrank seiner Frau gegriffen, schied also aus.

Leider musste ich schnell feststellen, dass der bedauernswerte Herr kein Einzelfall blieb: das Wetter wurde ungemütlicher, die männlichen Ugg-Boot-Träger zahlreicher. Im Übrigen scheint auch die Promiwelt nicht verschont zu bleiben; Leonardo DiCaprio, bei Filmpremieren in gutsitzenden Anzügen zu sehen, weist in seinem violetten Trainingsanzug nicht nur eine frappierende Ähnlichkeit mit dem McDonalds-Maskottchen "Grimace" auf; auch die Fußgröße scheint übereinzustimmen.

















Auch Ben Affleck ließ sich stolz mit Ugg Boots fotografieren, doch da niemand ernsthaft aussehen möchte wie Ben Affleck, ziehe ich es vor, diesen Umstand nicht weiter zu kommentieren.

Die Entwicklung ist jedenfalls äußerst beunruhigend und jedem Mann, der auch nur im entferntesten mit dem Gedanken spielt, diese goebbeleske Fußverunstaltung käuflich zu erwerben, sei hiermit gegen den Knöchel getreten, so dass er Ugg-Boot-Umfang bekommt. Die einzig annehmbare Alternative ist eine Lammfellsohle für das Kuschel-Gefühl in normalen Winterstiefeln. Aber mal ehrlich: welcher Mann lässt sich freiwillig nachsagen, er kuschle gern?


Dorian Gray:
- wartet ungeduldig auf den blauen Mantel aus UK
- fühlt sich mit seinen neuen Hausschuhen wie Bernie Madoff
- wundert sich, weshalb die Leute immer denken, man hätte mit einer Krawatte um den Hals immer gleich einen wichtigen Termin

Dienstag, 3. November 2009

Strick' dich!

Novemberdepressionen werden meist durch das triste, ekelhafte Wetter und die daraus resultierende Trostlosigkeit ausgelöst.

Bei mir ist dies momentan nur indirekt so. Das Wetter steht gewissermaßen am Anfang einer Kausalitätskette, an deren Ende ich verzweifelt da stehe und nur noch den Kopf schütteln kann. Denn das Wetter sorgt dafür, dass viele, zu viele meiner Hamburger Mitbürger versuchen, sich mit äußerst zweifelhaften Kopfbedeckungen warm zu halten.
Allen voran steht auf diesem Sektor eine Wollmütze, die aussieht, als sei sie von einer sadistisch veranlagten Großmutter gestrickt worden (tatsächlich stammen diese Mützen zu 99% von einem Massenware-Modeimperium, dessen Logo aus zwei Buchstaben und dem "&"-Zeichen besteht; ein Tipp: es ist nicht D&G).

Am Samstag begegnete mir ein solcher Kopfschmuck. Er traumatisierte mich dermaßen, dass ich erst jetzt darüber schreiben kann. Das corpus delicti war schmutzigweiß, grob gestrickt, hatte zwei geflochtene Zöpfe an den seitlichen Ohrenklappen hängen und obenauf etwas, das, wenn in eine Frisur integriert, gemeinhin als "Asi-Palme" bezeichnet wird.

Erstmals waren diese Mützen in den späten 90er Jahren bei Snowboardern aufgetaucht (und hatten die "Drachenschwanz"- bzw. "Irokesenschnitt"-Mützen abgelöst), die damit gegen das Establishment protestieren, allen ihre coole und abgedrehte Persönlichkeit aufdrängen, oder einfach nur ironisch-lustig sein wollten ("Seht her, auf dem Kopf sehe ich aus wie ein Lama-Bergführer aus den Anden!"). Über ironische Modestatements habe ich mich ja erst jüngst ausgelassen.


Nun also tauchen diese Dinger auch in Hamburger Fußgängerzonen auf, um jedes noch so bezaubernde Outfit zielsicher zugrunde zu richten. Diese Mütze suggeriert, dass die Handschuhe an der Jacke festgenäht sind und die oben genannte Großmutter einem morgens die langen Unterhosen rauslegt, damit man nicht friert.

Als die Mütze mir nun begegnete, tat sie es - wie könnte es bei meinem Glück anders sein - gleich in dreifacher Ausführung. Und auch noch direkt nebeneinander. Drei Grazien in "BFF" (best friends forever, von Paris Hilton maßgeblich geprägter Jugendslang) -Manier wollten ihre innere Verbundenheit dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie diese exakt identischen Augenbeleidigungen bei einander untergehakt nebeneinander gehend durch die Innenstadt trugen.

Meine geneigten Leser dürften meine zeitweise Atemnot nachvollziehen können. Das mittlere der drei Mädchen, nach "BFF"-Regeln also die Anführerin (die, deretwegen sich die beiden anderen früher oder später streiten werden) sah zu allem Überfluss auch noch aus, als sei sie von ihrem Malkasten vergewaltigt worden, so bunt (und definitiv nicht zusammenpassend) war sie vom Hals an abwärts gekleidet.

Es ist in Ordnung, das graue Wetter durch Farbtupfer vertreiben zu wollen. Es ist hingegen nicht in Ordnung, wenn die Farbtupfer alle gleichzeitig versuchen, dasselbe Outfit zu bespringen. Rote Leggings, blaues Flatterkleidchen, grüner Mantel, sandfarbene Ugg-Boots und rotbraun gemusterter Schal... Ich jedenfalls musste minutenlang den angenehm tiefgrauen Novemberhimmel anstarren, um meine Augen wieder zu beruhigen.


Dorian Gray:
- entrichtet an dieser Stelle einen Gruß an B.s Hut, der das Mützenproblem zutiefst elegant umschifft
- würde in Zukunft gerne öfter Fliege tragen
- hat endlich seine "Queen - Greatest Hits"-CD wiedergefunden